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Spaziergang durch Santiago

Bei Sonnenschein und (fast ganz) blauem Himmel bot sich mir heute eine ganz hervorragende Moeglichkeit, Santiago de Chile zu Fuss zu erkunden. Mein erster Stopp war das Fremdenverkehrsamt (SENATUR, Servicio Nacional de Turismo). Dort (und auch in einigen anderen Orten) wurde neben Spanisch und Englisch, fast wie selbstverstaendlich, auch Deutsch gesprochen. Die dazu passenden Touristen sind natuerlich auch in Huelle und Fuelle zu finden.


Waehrend ich gestern auf der Fahrt hierher einen Deutschen getroffen hab, der sein Heim auf den Fidjis hat bin ich heute schon einer ganzen Reihe Deutscher und Amerikaner ueber den Weg gelaufen. Dabei ist es doch ausserhalb jeder Urlaubssaison und Ferienzeit...


Bei der Scotiabank habe ich dann Geld geholt (in der Hoffnung, dass ich dort als Deutsche Bank-Kunde keine Gebuehr fuers Abheben zahle - so hiess es jedenfalls in einem Internet-Forum zum Thema Chile) - das sind endlich mal Betraege, fast wie frueher in Italien: gut 700 Peso gibts fuer den Euro. Die Preise sind allerdings nicht nur nominal sondern auch real deutlich hoeher als in Argentinien, da kann man locker das doppelte bis dreifache rechnen. Aber im Vergleich zu Deutschland ist es immer noch im Rahmen, da gibt es gewiss teurere Hauptstaedte.


Was ich alles gesehen hab? Angefangen habe ich mit einem kleinen Skulpturenpark (Ecke Avd. Pedro de Valdivia/Avd. Santa Maria), dann ging es in den Parque Metropolitano (der die Huegel in der Stadt mit dem Zoo, einem Schwimmbad, dem astronomischen Observatorium und der grossen Figur der unbefleckten Empfaengnis auf dem Cerro San Cristobal umfasst). Per Seilbahn ging es hinauf, rundum entfaltet sich die Stadt, eingegrenzt von den wirklich hohen Bergketten der Anden. Es ist schon atemberaubend, wie die Stadt auf einmal winzig klein vor den riesigen Bergmassiven erscheint.


Ueberall schmuecken verschiedenste Baumarten, bluehende Straeucher und Blumen den Park. Fuer Weg hinab nahm ich dann den "Furnicular" eine Art schiefem Aufzug (in etwa wie die Cable Cars in San Francisco). Der hat schon einige Jahre auf dem Buckel, aber auch der Papst ist bei seinem Besuch Ende der 80er damit zum Gipel gefahren. Am 8. Dezember ist uebrigens Pilgertag und da gibt es dann schon ab 6 Uhr morgens stuendliche Andachten.


Nach einer kleinen Staerkung zum Mittagessen habe ich mir dann das Haus "La Chascona" (= Lockenkopf) von Pablo Neruda, einem der bekanntesten Schriftsteller/Poeten Suedamerikas, angesehen. Die Einrichtung ist recht kreativ und zeugt von den vielen Reisen, die er bis zu seinem Tod 1973 u. a. nach Russland unternommen hat. 1971 erhielt er auch den Nobelpreis. Neben dem Haus in der Hauptstadt hat er auch noch je eine Residenz in Isla Negra und Valparaiso an der Kueste, etwa. 120 km entfernt, die noch interessanter sein sollen. Zumindest die in Valparaiso werde ich bestimmt noch anschauen.


Danach schlenderte ich weiter (dieser Teil der Stadt weist eine verblueffende Anzahl von auch bei Tage huebsch anzusehenden Bars auf) zum Museum der Schoenen Kuenste und zu einem weiteren Huegel ("Cerro Santa Lucia"), der ein wenig einer kleinen Festung nachempfunden ist und von dem man nochmal einen schoenen rund-um-Blick ueber die Stadt (und den Cerro San Cristobal) hat.


Weiter ging es zu Kreuzung Londres/Paris, zwei huebsche Gaesschen, die allerdings ein wenig Leben vermissen lassen. Ueber die Paseo Bulnes ging es dann durch einige huebsche Parks und alten Gebaeuden vorbei. Bei dem Wetter natuerlich eine wahre Wonne.


Heute Abend moechte ich mir Brechts Drei-Groschen-Oper (La Opera de Tres Centavos) im Theater der Katholischen Universitaet am Plaza Nunoa ansehen, da faehrt zwar keine U-Bahn hin (die wuerde eh um 22:30 schliessen), aber ich habe schon den Bus gefunden, der mich direkt von meiner Unterkunft dorthin bringt.

19.11.03 23:21
 


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