Und sie tragen und sie tragen und sie tragen... Bin heute wieder den ganzen Tag laufender Weise unterwegs gewesen. Das Highlight war gewiss der Besuch des MIM (Mueso Interactivo Mirador), einem Museum zum Anfassen fuer Gross und (noch viel mehr) Klein. Hier besteht Pflicht zum Anfassen (nicht seine Mitmenschen, sondern die Exponate) und Staunen, denn von optischer Taeuschung ueber Elektromagnetismus bis hin zu menschlichen Koerper wird alles erklaert.
So kann man am Skelett "Catrina" den menschlichen Knochenaufbau bestaunen, in einen Baum klettern und per 3-D-Film in einen Computerchip eintauchen (ok, ja, der Pentium 4 von Intel ist das tollste, was die Welt je gesehen hat und soviel effizienter als alles andere - aber solange die auch das Geld fuer die Ausstellung locker machen, ist ein bisschen Eigenwerbung wohl ok).
Zur Zeit gibt es als Sonderausstellung auch eine Schau von Fotos aus aller Welt, die von einem Deutschen und der Gesellschaft fuer Technische Zusammenarbeit (GTZ) organisiert wurde. Mit 500 Kleinbildkameras ausgeruestet haben Jugendliche aus aller Welt ueber 12.000 Bilder von sich und ihrer Welt geschossen, 250 davon sind jetzt hier ausgestellt.
Das Museum liegt zwar etwas ausserhalb, aber ist mit der U-Bahn (Haltestelle "Mirador") und einem Collectivo (anders als in Argentinien, wo es sowas wie "Bus" bedeutet, sind das hier Sammel-Taxis - eine wirklich sinnvolle Einrichtung, die die Vorteile von Oeffentlichem Personennahverkehr (Preis) und Taxi (Schnelligkeit) verbindet.
Zurueck in der Stadt habe ich die von Telefonica gesponserte Ausstellung von Bilder und Skulpturen des spanischen Kuenstlers Miró angesehen (war zwar nicht so besonders gross, dafuer hat's aber auch keinen Eintritt gekostet). Direkt daneben waren Bilder von einem Kinder-Malwettbewerb ausgestellt und manchmal hatte ich schon den Eindruck, dass die im Vergleich gar nicht so schlecht sind ;-)
Weiter ging's zu Fuss durch die Innenstadt zur Plaza de Armas und der Fussgaengerzone "Paseo Ahumada", wo man sich schon kraeftig auf den ab heute Abend stattfindenden "Teletón" vorbereitet (der Schriftzug "Teletón - es tuya", Teleton ist deins, findet sich in der ganzen Stadt - auf Schildern, Bussen, Autos, Schaufenstern, etc.) Nach dem Vorbild amerikanischer Fernseh-Marathon-Spendensammlungen spenden hier Unternehmen und Privatpersonen 27 Stunden lang fuer einen guten Zweck (der hier die Einrichtung und der Betrieb von Zentren fuer die Behandlung Koerperbehinderter ist, soweit ich das im Gespraech mit Einheimischen herausfinden konnte).
Da gibt es in der Fussgaengerzone gegen eine Spende den Haarschnitt vom Fachmann oder die Tarot-Fachberatung in Sachen Zukunft. Im Fernsehen wird natuerlich auch durchgaengig gesammelt und die teilnehmenden Firmen spenden einen Teil des Umsatzes, der waehrend der 27 Stunden gemacht wird. Insgesamt ist das ganze Land vom Teletón-Fieber erfasst - und das viel mehr, als ich es aus deutschen Big Brother- oder Deutschland sucht den Super-Barden-Zeiten kenne.
Bevor das Licht mich dann verliess habe ich mir noch auf der Plaza de la Constitución eine Ausstellung von Bildern des franzoesischen Kuenstlers Yann Arthus-Bertrand unter dem Thema "Die Erde von oben" angesehen. Gut 100 Bilder, alle aus der Luft aufgenommen, von Landschaften, Orten, Menschen und Ereignissen auf der ganzen Welt zeichnen sich durch eine ganz eigene Sichtweise und Mystik aus - der dazugehoerige Bildband steht auf jeden Fall auf meiner Weihnachts-Wunschliste (aber bitte nicht von allen ;-)
Aus Deutschland waren zwei Bilder dabei: Eins von der Siegessaeule waehrend der Love Parade und eins von einem Flaschenlager (wo gaaaanz viele bunte Kaesten mit Flaschen gestapelt sind) in Braunschweig. Keine Ahnung, wieso er gerade diese beiden ausgewaehlt hat (es sind ja nicht ALLE Deutschen Flaschen, oder?), aber sie Fuegen sich gut in die anderen Bilder ein, wo haeufig aus natuerlichen Phaenomenen wahre Kunstwerke entstehen (ohne dass die Bilder veraendert wurden).
Drei Tage habe ich jetzt Santiago, Valparaiso und Vińa del Mar durchstreift, morgen Mittag geht es wieder zurueck nach Córdoba, eine Woche spaeter nach Buenos Aires und dann am Dienstag auch schon wieder zurueck nach Deutschland. Auch wenn das nicht viel Zeit in Chile war, ich bin froh, dass ich trotz Schneeeinbruch doch noch hingefahren bin, denn es ist einfach ein wunderbares Land (ebenso wie Argentinien, aber troztdem ganz anders).